Hochschullernwerkstätten

AG Begriffsbestimmung: Arbeitsdefinition zum Begriff "Hochschullernwerkstatt" – Fassung vom 08.03.2022. Internationales Netzwerk der Hochschullernwerkstätten (NeHle e. V.)

Hochschullernwerkstätten sind an der Institution Hochschule strukturell und räumlich verankert. Charakteristisch sind in der Regel eine konzeptionell begründete materielle Ausstattung und ein flexibel gestaltbares Raumkonzept.

Hochschullernwerkstätten tragen im Rahmen des akademischen Forschungs- und Bildungsauftrags von Hochschulen spezifisch zur Professionalisierung zukünftiger Pädagog*innen bei, indem das (eigene) Lernen und die Begleitung des Lernens Anderer Gegenstand des Studierens, Lehrens und Forschens sind. Kennzeichnend für die Lernbegleitung ist dabei die auf Beobachtungen des Lernprozesses beruhende, kognitiv aktivierende und die Eigeninitiative herausfordernde impulsgebende Unterstützung der Lernenden durch Lernbegleiter*innen, die dabei weitgehend auf Instruktionen verzichten. Die so gewonnenen Erkenntnisse erweitern das Spektrum pädagogischer Handlungsmöglichkeiten der zukünftigen Pädagog*innen in Bezug auf die Unterstützung und Begleitung von selbstbestimmtem, selbstorganisiertem und selbstverantwortetem Lernen. Die Sachthemen, anhand derer Lernprozesse mit entsprechender Begleitung verdeutlicht werden, können curricular in das Studienprogramm eingebunden sein oder aus individuell persönlichem Interesse gewählt werden. Voraussetzung für die Initiierung von solcherart Lernerfahrungen sind u. a. eine materialreiche Umgebung, die die Eigeninitiative der Studierenden herausfordert. In Auseinandersetzung mit den vielfältigen Materialien (multifunktionellen, analogen wie digitalen, auch didaktisch aufbereiteten) können Lernprozesse expliziert und dadurch deren Beobachtung und Dokumentation einer theoriegeleiteten Reflexion zugeführt werden.

Dozierende fungieren in Hochschullernwerkstätten in der oben beschriebenen Rolle als Lernbegleiter*innen und als Fachexpert*innen in offenen Lernsettings. Sie unterstützen dabei Lernprozesse nach den Prinzipien des demokratischen, inklusiven und partizipativen Lernens, indem Zielstellung und Planung gemeinsam mit den Studierenden ausgehandelt und entwickelt werden. Die Studierenden erfahren sich als Lernende, üben sich in der Rolle als Lernbegleiter*innen und reflektieren insbesondere diesen Rollenwechsel.

Die Akteur*innen aus pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Studiengängen sowie aus dem pädagogischen Berufsfeld nutzen Hochschullernwerkstätten als Möglichkeits-, Erprobungs- und Erfahrungsräume, gegebenenfalls mit Kindern und Jugendlichen, was im Rahmen der Theorie-Praxis-Reflexion maßgeblich zu ihrer Professionalisierung beiträgt.

Die empirische Analyse des Lernens, Studierens und Lehrens steht im Zentrum des Forschungsinteresses, indem Interaktionen und Praktiken in Hochschullernwerkstätten in den Blick genommen werden, um nach deren Wirksamkeit und Relevanz zu fragen oder um Angebote und Lernsituationen zu evaluieren und weiter zu entwickeln.

Hochschullernwerkstätten sind auf eine statusgruppen- und studiengangsübergreifende Kommunikation, Kooperation und Vernetzung gerichtet und somit eine bedeutsame Schnittstelle in und außerhalb der Hochschulorganisation. 

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